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Wagner, Yvonne

Standpunkt: Tri, tra, trullalla

Handpuppen als Brückenbauer in der musikalischen Früherziehung

erschienen in: Musik, Spiel und Tanz 2022/04 , Seite 6

Das Handpuppenspiel hat insbesondere als Kasperletheater eine lange Tradition. Heute werden Handpuppen nicht nur pädagogisch, sondern auch therapeutisch eingesetzt, um Kinder (und Erwachsene) zu erreichen. In der Musikstunde eignen sich Handpuppen u. a. als direkte AnsprechpartnerInnen für die Kinder und als „Hilfslehrkräfte“ und „MitschülerInnen“, die Nähe schaffen und die Atmosphäre auflockern.

Die Handpuppe als „Brückenbauer“

Die Idee zum ther­a­peutis­chen Pup­pen­spiel ent­stand um 1920 etwa gle­ichzeit­ig in den USA und in Europa. Im Rah­men der Entwick­lung des Psy­chodra­mas (nach Jacob Levy Moreno 1892–1974), das sich auf Beobach­tun­gen von Kindern beim Spie­len stützt, wurde bemerkt, dass Kinder ihre innere Welt, also ihr „inneres The­ater“ (Gefüh­le, Gedanken) im Spiel mit Pup­pen nach außen tra­gen. Das lässt sich auch beim Rol­len­spiel und im Spiel mit anderen Din­gen beobacht­en. Fordert man Kinder in direk­ter Ansprache auf, etwas Konkretes mitzuteilen, von Äng­sten, Sor­gen oder auch pos­i­tiv­en Erleb­nis­sen zu bericht­en, zeigt sich oft nur mäßiger Erfolg. Mit Hil­fe von Hand­pup­pen (und anderen Pup­pen) als Mit­tler gelingt es leichter, weil diese eine Brücke bauen und das Kind ins Spiel ziehen, sodass es sich aus­drück­en kann. Die Hand­puppe dient dabei als Kom­mu­nika­tion­s­mit­tel. Ther­a­peutIn­nen kön­nen so Prob­leme des Kindes, seine Äng­ste, Fra­gen, Hil­fer­ufe wahrnehmen und Lösungsmöglichkeit­en finden.
Diese Mit­tler­funk­tion von Hand­pup­pen eignet sich auch für Musik­stun­den. Jün­gere Kinder nehmen meist mit den Eltern gemein­sam an der musikalis­chen Früherziehung teil, sofern sie nicht in der Krippe stat­tfind­et. Viele Kleinkinder lösen sich nur schw­er von der Begleit­per­son und sind eher pas­siv. Um die Kinder zu erre­ichen und direkt einzubeziehen, braucht man viel Geduld und muss allmäh­lich Ver­trauen auf­bauen. Wie bei ein­er Eingewöh­nung in der Krippe muss das einzelne Kind eine Beziehung zur Lehrkraft her­stellen. Es ist span­nend zu erleben, dass eine Hand­puppe das wesentlich schneller schafft.

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