© Bettina Böhm

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Biallas, Eva / Lemke, Dorle

Standpunkt: Klassik in der Kita

Spielideen zum Bewegen, Singen, Fühlen und Lauschen

erschienen in: Musik, Spiel und Tanz 2022/02 , Seite 6

Kinder sind offen für Musik unterschiedlicher Stilrichtungen. Auch der Zugang zu klassischer Musik kann bei spielerischer und altersgerechter Vermittlung für Kinder ganz leicht sein. Erfahrungen aus dem Musikkindergarten Hamburg zeigen, wie dies gelingen kann. Das Beispiel einer musikalischen Mitmachgeschichte, die durch einen Urwald führt, gibt Anregungen für vielfältige Begegnungen zwischen Kindern und klassischer Musik.

Zu Besuch im Musikkindergarten Hamburg

„Was soll ich denn spie­len? Vielle­icht ein paar Kinder­lieder?”, fragt Thomas, Cel­list des Phil­har­monis­chen Staat­sor­ch­esters Ham­burg, vor seinem ersten Besuch im Musikkinder­garten Ham­burg. Seit elf Jahren gibt es den Musikkinder­garten Ham­burg und die Koop­er­a­tion mit der Ham­bur­gis­chen Staat­sop­er und dem Phil­har­monis­chen Staat­sor­ch­ester und regelmäßig kom­men die Mit­glieder der Klangkör­p­er zu Besuch in die Kita, um für die Kinder Musik zu machen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Kinder nicht immer nur leichte, eingängige Klänge und Melo­di­en, nicht immer nur Viervierteltakt, Spaßlieder oder musikalis­che Ani­ma­tion brauchen. Ganz im Gegen­teil: Sie lassen sich von klas­sis­ch­er Musik in all ihrer Vielfalt mitreißen, verza­ubern und beeindrucken.

Thomas hat sich für eine Cel­lo-Suite von Johann Sebas­t­ian Bach entsch­ieden. 100 Kinder zwis­chen einem und sechs Jahren warten ges­pan­nt auf seinen Vor­trag. Thomas hebt seinen Bogen, die ersten Töne erklin­gen und wun­der­volle Musik erfüllt den Raum. Thomas nimmt die Kinder als Pub­likum ernst und spielt genau­so lei­den­schaftlich, wie er auch für ein erwach­senes Konz­ert­pub­likum spie­len würde. Die Kinder lassen sich in seinen Bann ziehen. Es ist span­nend zu beobacht­en, wie unter­schiedlich sie die Musik aufnehmen: Während eine Vier­jährige ganz ver­sunken und andächtig zuhört, wiegt sich ein Drei­jähriger mit dem ganzen Kör­p­er mit und malt mit den Hän­den in die Luft. Als Thomas einen schnellen Satz anstimmt, kommt Bewe­gung in das junge Pub­likum. Einige Kinder ste­hen auf und fan­gen an zu hüpfen, kich­ern vor Vergnü­gen. Freude und Genuss pur!

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